Patientenkompetenz 
Der Begriff Patientenkompetenz beschreibt sowohl ein Merkmal von Patienten, als auch einen gesellschaftlichen Trend. Immer mehr Menschen wollen die Bewältigung von Krankheit nicht mehr nur fremder Hilfe überlassen, sondern sie vertrauen dazu auch auf ihre eigenen Kräfte der Selbst-Heilung und möchten diese nutzen.
Viele kompetente Patienten sehen sich als Partner der Medizin, Forschung, Wirtschaft und Politik. Manche organisieren sich in einer eigenen Lobby und versuchen so ihre Interessen durchzusetzen. Andere wiederum fordern komplementäre Denk- und Handlungsweisen zur Schulmedizin. Eine zunehmende Zahl kompetenter Patienten sucht heute mehr
professionelle Beratung zur Orientierung und Selbsthilfe in der Krankheit. |
| Definition Patientenkompetenz* |
| Man versteht unter Patientenkompetenz die Fähigkeit des Patienten: |
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sich den Herausforderungen der Erkrankung zu stellen |
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sich auf die eigenen und fremden Ressourcen zur Krankheitsbewältigung zu besinnen |
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diese Ressourcen zu nutzen |
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dabei auch persönliche Bedürfnisse zu berücksichtigen |
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eigene Zielvorstellungen zu verfolgen und |
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Autonomie zu wahren |
| *Quelle: Nagel G. et. al.: Patientenkompetenz. Deutsche Zeitschrift für Onkologie 36 110 - 117 ( 2004) |
Bedeutung der Patientenkompetenz
Patientenkompetenz als Grundhaltung ist je nach Lebensalter, Geschlecht und sozialem Status, sowie nach Art der vorliegenden Erkrankung, ihrer Prognose und Belastung ganz unterschiedlich ausgeprägt.
Als Grundhaltung spielt Patientenkompetenz eine bedeutende praktische Rolle bei Patienten in der Rehabilitation, bei Betroffenen mit Allergien und psychosomatischen Leiden, Krebs oder anderen, als unheilbar geltenden Erkrankungen, die mit einem erheblichen Risiko an Dauerschädigungen behaftet sind. Man muss jedoch festhalten, dass es noch keine systematischen Untersuchungen über das Entstehen, die Konzepte und die Prävalenz der Patientenkompetenz gibt.
Warum Patientenkompetenz neuerdings ein derart zentrales Thema bei Patienten und im Gesundheitswesen wird, hat mehrere Gründe. Für Compatence von herausragender Bedeutung ist das Credo der Selbstheilung. Es besagt, dass die erfolgreiche Bewältigung von Belastungen unter anderem auch von individuellen Kräften des betroffenen Menschen selbst, also nicht nur von äußeren Umständen abhängt, sprichwörtlich: "Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott".
Der Begriff Patientenkompetenz bezieht dieses Credo auf die spezielle Belastungssituation, die eine Krankheit, speziell eine psychisch besonders belastende, chronische oder unheilbare Erkrankung, darstellt. Aktive kompetente Patienten glauben entsprechend, ihre Lebensqualität und Prognose günstig beeinflussen zu können, indem sie etwas tun um ihre eigenen Kräfte der Selbstheilung zu unterstützen.
Dieses gesellschaftlich weitgehend akzeptierte Credo findet in vielen Bereichen der medizinischen Praxis kein Korrelat. Mit anderen Worten: die Medizin setzt zur Heilung von Krankheiten ausschließlich ihre eigenen Waffen ein. Das Potential der Selbstheilung des Patienten wird oft nicht berücksichtigt. Dies gilt ganz speziell für die Therapie von Krebserkrankungen. In der Krebsmedizin stand der Beweis bisher aus,
dass Patientenkompetenz ein Faktor ist, der sich auf den Krankheitsverlauf unabhängig von der Therapie der Erkrankung auswirkt. Erst neuerdings sind verschiedene Untersuchungen publiziert worden, die im Trend alle die Relevanz der Patientenkompetenz belegen(*). |
| (*)Beispiele: |
Spiegel D, Bloom JR, Kraemer HC, Gottheil E: Effect of psychosocial treatment on survival of patients with metastatic breast cancer. Lancet 1989 (8668):888-91.
Butow PN, Coates AS, Dunn SM: Psychosocial predictors of survival: metastatic breast cancer. Ann Oncol. 2000,11:469-74.
Grossarth-Maticek R, Kiene H, Baumgartner SM, Ziegler R: Use of Iscador, an extract of European mistletoe (Viscum album), in cancer treatment: prospective nonrandomized and randomized matched-pair studies nested within a cohort study. Altern Ther Health Med. 2001,7:57- 66, 68-72, 74-76
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Kompetente Patienten brauchen kompetente Berater
Die wichtigsten Berater in Sachen Patientenkompetenz waren bisher Ärzte und Apotheker. Der Beratungsbedarf kompetenter Patienten bezieht sich jedoch zunehmend nicht nur auf die klassischen Wissensgebiete der Ärzte und Apotheker, sondern auch auf Themen wie Ernährung, Selbsthilfe, Unkonventionelle Mittel in der Krebsmedizin (UMK) u.a.. Für diese Themen müssen Berater (z.B. Apotheker und andere) erst ausgebildet bzw. fortgebildet werden.
Weiter erwarten kompetente Patienten mehr individuelle medizinische Betreuung. Sie fordern, dass die Therapie der Krankheit und die Behandlung des Patienten weniger systematisch als bisher, sondern besser abgestimmt auf die besondere Situation des Patienten erfolgen muss.
Auf eine derart individuell maßgeschneiderte Krankenversorgung , welche die Sondersituation eines jeden Patienten besser berücksichtigt, ist die Medizin jedoch noch nicht konsequent eingestellt. Die Patientenberatung und Therapieführung werden damit immer mehr zu einer eigenständigen, neuen medizinischen Spezialität, die eine Teamleistung erfordert.
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Herausforderungen der Patientenkompetenz
Auf den neuen Typus des aktiven, kompetenten Patienten müssen sich alle Partner im Gesundheitswesen neu ausrichten. Hierbei stellen sich mehrere Herausforderungen, von denen insbesondere folgende für Compatence bedeutsam sind:
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Die salutogenetische, das heißt auf Gesundheit, Selbstheilung und Selbsthilfe orientierte Denkweise von Patienten muss besser verstanden und besser in die klassischen, pathogenetischen, das heißt krankheitsorientierten Modelle im Gesundheitswesen einbezogen werden. |
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Das heute immer unübersichtlicher werdende, allgemeine Informationsangebot muss zu einem System der individuellen Beratung und Orientierung von Patienten erweitert werden. |
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Die Umfeldkompetenz muss verbessert werden. |
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Die Palette der zur Selbsthilfe und zur Förderung der Salutogenese geeigneten Hilfsmittel muss qualitativ und quantitativ verbessert sowie bei der Krankenversorgung stärker gewichtet werden. |
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Patienten selbst werden zu einer immer stärkeren, regulierenden Marktkraft im Gesundheitswesen. Darauf müssen sich Markt und Marketing von Produkten und Dienstleistungen im Gesundheitswesen mit neuen Strategien einstellen. |
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Es wird mehr Selbstmedikation und Arzneimittelbezug aus schwer kontrollierbaren Quellen wie z.B. Internet-Apotheken und Direktvertreiber geben. Dadurch werden Risiko und Häufigkeit von Arzneimittel-Unverträglichkeiten und Arzneimittel-Wechselwirkungen ansteigen. Entsprechend sind neue Formen der pharmazeutischen Betreuung notwendig. |
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Wie Patientenkompetenz individuell und im gesellschaftlichen Trend zu Stande kommt, muss besser verstanden werden, um sinnvolle Hilfen und regulierende Maßnahmen bereit zu stellen. Hierzu besteht Forschungsbedarf. |
Relevanz der Patientenkompetenz
Patientenkompetenz war bei uns noch vor wenigen Jahren eine marginale Erscheinung. Sie ließ sich am ehesten in der organisierten Patientenselbsthilfe fassen. Seit kurzer Zeit hat sich die Idee der Patientenkompetenz und Selbsthilfe jedoch vor allem außerhalb der organisierten Selbsthilfe durchgesetzt.
Davon legt zum Beispiel eine anwachsende Flut von Publikationen von Betroffenen selbst Zeugnis ab. Für die nächsten Jahre ist damit zu rechnen, dass Patientenkompetenz in das allgemeine Bewusstsein dringt und zu einem zentralen Thema im Gesundheitswesen wird.
Erste Konsequenzen daraus haben verschiedene Seiten, z.B. Gesundheitspolitik, Verbraucherverbände, einzelne Krankenkassen oder die deutsche Apothekerschaft gezogen, die neue, patientenorientierte Programme aufgelegt haben.
Von der Medizin und der pharmazeutischen Industrie ist die Patientenkompetenz noch nicht systematisch als Chance zur Etablierung neuer Serviceleistungen, Produkte und Strategien genutzt worden.
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